Oktober 8

Der wichtigste Rat, den ich meinen Patienten gebe…..

… ist niemals aufzugeben.

Egal was mein Problem ist, gleichgültig wie lange ich schon darunter leide, seit wann oder wie erheblich es mein Leben beeinflusst – das Spiel ist erst zu Ende, wenn ich aufgebe.

Es ist wahr: Man kann alles immer auch als ein Spiel ansehen.
Das Leben ist ein Spiel und jedes Problem, jede Krankheit, jeder Unfall – all das sind Herausforderungen, die das Spiel interessanter machen und dem Spieler die Chance geben, daran zu wachsen. Das bedeutet so lange ich noch im Spiel bin, habe ich die Chance zu gewinnen oder mich weiter zu entwickeln und dazu zu lernen.

Wenn ich jedoch aus dem Spiel aussteige, wenn ich also aufgebe – habe ich dazu keine Chance mehr, das Spiel ist ja beendet.

Das erinnert mich an ein Buch, das ich vor einiger Zeit begeistert gelesen habe. Der Autor heißt James Carse und der Titel des Buches ist: Finite and Infinite Games. A Vision of Life as Play and Possibility.

Das Buch geht von der Grundannahme aus dass wir das Leben als Spiel betrachten. Der Autor geht jedoch noch einen Schritt weiter: Er unterscheidet, ob man das Spiel als unendliches Spiel sieht, also als ein Spiel das immer und immer weiter geht.
Oder ob man das Spiel als etwas betrachtet, das irgendwann ein Ende hat, wo es also auch einen Sieger und Verlierer geben MUSS.

Die Message ist letztendlich, dass das Spiel so viel mehr Spaß macht, wenn man es als ein endloses Spiel mit immer neuen Herausforderungen sieht. Denn nur so ist es möglich, aus absolut jeder Situation etwas zu lernen, jede Situation hat damit auch etwas Postives. Also kann ich auf diese Weise auch niemals wirklich verlieren.  Denn jede Niederlage ist immer nur ein temporärer Zustand. Etwas Vorübergehendes und jede Situation beinhaltet immer auch die Chance, etwas Neues zu lernen, das möglicherweise schon bei der nächsten Herausforderung einen grandiosen Erfolg bescheren kann.

Doch auch unsere Erfolge können niemals das Ende sein.

Auch das ist eine sehr hilfreiche Sichtweise, denn wenn ich das Leben und alles was es für uns zu bieten hat, immer als Wettbewerb ansehe, eine Art Marathon wo alle um irgendeinen nebulösen Endpreis, eine Trophäe konkurrieren – was um Himmels willen tue ich denn dann, sollte ich diese Trophäe tatsächlich erringen?

Hört sich recht langweilig an, was dann noch kommt.

Darüber hinaus muss ich dann natürlich auch immer in Angst leben. Denn etwas Bessers als diese Trophäe scheint das Spiel ja nicht mehr zu bieten. Und was ist, wenn mir jemand die Trophäe wieder wegnimmt? Ich muss also auch noch ständig die Furcht im Hinterkopf spüren, jemand könnte mir meine mühsam errungene Trophäe am Ende doch wieder wegnehmen.

Und so ist die Sichtweise mit dem endlosen Spiel eine viel erfüllendere Position, wenn es um Erfolge geht. Denn jeder Erfolg ist etwas Tolles, gibt mir ein gutes Gefühl, lässt mich vielleicht auf Wolke 7 schweben und ich kann mir fraglos ein wenig Zeit geben, das für eine Weile auszukosten und zu genießen.

Aber da wir ein endloses Spiel spielen, ist auch ein Erfolg immer nur etwas Vorübergehendes.

Und nach einer gewissen Zeit ist es immer Zeit dafür, wieder weiter zu machen.
Nach neuen Herausforderungen Ausschau zu halten.
Mir neue Ziele zu setzen.
Neue Erfahrungen zu machen.

Letztendlich bedeutet alles als ein niemals endendes Spiel anzusehen, dass ich auch vollkommen frei von Angst leben kann. Denn wenn ich weiß, dass dieses Spiel ja niemals endet, dann weiß ich immer, dass jede Niederlage, jeder Rückschlag, jedes nicht erreichte Ziel immer nur vorübergehend sind.

Weil immer weiter geht.

Wenn ich das Leben so betrachte, dann weiß ich auch, dass der Tod nicht das Ende ist. Sondern nur ein neues Ausgeben der Karten.

Damit ein neues Spiel beginnen kann.

Immer und immer wieder.
Für immer neue Erfahrungen.
Für immer mehr Weiterentwicklung.

Ewig.

März 14

Spinnen ist Pflicht

Heute stieß ich über einen Blog-Beitrag auf innovativ-in.de auf diesen schönen Song:


Und mal abgesehen davon, dass das einfach ein schönes Lied ist, gefällt mir der Refrain so gut, dass ich ihn hier mal abdrucken möchte:

Lass dein altes Leben hinter dir
Und geh durch diese neue Tür

Das geht raus an alle Spinner
Denn wir sind die Gewinner
Wir kennen keine Limits
Ab Heute – für immer

Das geht raus an alle Spinner
Weil alles ohne Sinn wär
Ohne Spinner wie dich und mich

Finden Sie das nicht auch inspirierend? Man muss ja nicht immer gleich sein altes Leben komplett hinter sich lassen. Aber einfach mal anfangen ein bisschen zu spinnen? Etwas mal ganz anders tun als Sie das vielleicht die letzten 30 Jahre getan haben? Ist dieser Gedanke nicht reizvoll?

Und das Schöne daran ist: Sie müssen nicht gleich mit den großen Dingen anfangen. Denn es ist ein wirklich faszinierendes Phänomen, dass oft schon kleine Veränderungen ganz überraschend viel größere (und schönere) Veränderungen nach sich ziehen.

Also wechseln Sie doch einfach mal mit Ihrem Partner die Plätze am Frühstückstisch oder vor dem Fernseher. Oder halten Sie die Zahnbürste beim Zähneputzen zur Abwechslung mal in der anderen Hand. Machen Sie Ihrem Partner ein Überraschungsgeschenk oder frühstücken Sie mal im Schlafanzug und ziehen sich erst nach dem Frühstück an. Natürlich umgekehrt, falls Sie sowieso schon immer im Schlafanzug frühstücken… :-)

Fangen Sie an ein bisschen zu spinnen und seien Sie neugierig, was sich dadurch alles so entwickeln wird.

Na los, fangen Sie schon an!
Und haben Sie Spaß dabei! :-)

Ach ja: und zu diesem Thema gibt es auch ein tolles Buch (von dem ich mir den Titel für diesen Beitrag „geklaut“ habe…): „Spinnen ist Pflicht: Querdenken und Neues schaffen“ von Anke Meyer-Grashorn.